Gewalt in Computerspielen

31.10.2005: Experimentelle Methoden, interne und externe Validität

Gliederung

  • Grundlagen
    • Effektgrößen
    • Korrelation
  • Das Experiment
    • Kriterien
    • Überprüfung von Kausalzusammenhängen
    • Methoden
    • Ein/mehrfach
  • Interne und externe Validität
    • Was?
    • Probleme

Vortrag

Effektgrößen

  • am wichtigsten Effektstärke und Effektgröße
  • Normierung der Unterschiede auf Streuung der Testwerte
  • 0.2 klein, 0.5 mittel, 0.8 groß
  • normal zwischen 0.2 und 0.5
  • d = ( Xquer_EG - Xquer_KG ) / s

Korrelation

  • Wechselbeziehung zweier oder meherer variabler Merkmale
  • Zusammenhangsmass: Korrelationskoeffizient ® zwischen 1 und -1
  • perfekt positiver Zusammenhang: 1, perfekt negativer Zusammenhang: -1, kein Zusammenhang: 0, z.B. r = .86
  • r = covarianz(x, y) / (s(x) * s(y)), covarianz(x, y) = (x - xquer) * (y - yquer)
  • positiv: bezogen auf Mittelwert identische Änderung
  • negativ: gegenläufige Änderung

Das Experiment

  • Prinzip der Willkührlichkeit: absichtliches/planmäßiges Herbeiführen des Beobachtungsgeschehens
  • Prinzip der Intersubjektivität (Konkordanz): Beeinflussung vermeiden
  • Prinzip der Schärfe und Präzision: Bereitstellung der zuverlässigsten Beobachtungsmethoden & Einfluss von Störquellen auf das Beobachtungsgeschehen
  • Kausalzusammenhang: Manipulation unabhängiger Variable (UV) hat Einfluss auf die abhängige Variable (Manipulation der UV hinreichend und notwendig fuer Änderung der AV)
  • Experiment → Aufdeckung kausaler Zusammenhänge
  • Störvariablen: Einflussgrößen, die potentiell Veränderung der AV bewirken können
  • SV sind der Grund für Kritik und Interpretierbarkeit von experimentellen Ergebnissen
  • Methoden zur experimentellen Kontrolle:
    • Eliminierung (Ausschalten der SV)
    • Randomisierung (statistische Eliminierung der SV)
    • Parallelisierung (jeder unterliegt der gleichen SV)
    • Ausbalancierung (Reihenfolge des Versuchsablaufs wird variiert)
  • Max-Kon-Min Prinzip
    • Maximierung der Primärvariablen
    • Kontrolle der Sekundärvariablen
    • Minimierung der Zufallsvariablen
  • Einfaktorieller Versuchsplan: Nur ein beeinflussender Faktor
  • Mehrfaktorieller Versuchsplan: Zwei oder mehr beeinflussende Faktoren (ab drei bis vier beeinflussenden Faktoren wird die Auswertung schwierig, darum werden meist nur zwei bis drei Faktoren gleichzeitig betrachtet)

Interne und Externe Validität

  • externe Validität: Übertragbarkeit auf Realität (Verallgemeinerung)
  • interne Validität: Veränderung der AV wirklich auf Variation der UV zurückführbar
  • “Volksglaube”: intern ja, extern nein
  • Bsp. für Unwirksamkeit: Aggression in Labor und Leben
  • Antworten:
    • Aufdeckung möglicher Zusammenhänge, nicht typischer
    • Hypothesen speziell im Labor
    • Herstellung von unrealistischen Bedingungen
  • “Was soll generalisiert werden?” → Muss klar sein
  • induktives Schlussfolgern gefährlich
  • Feldstudien auch fehlerbehaftet
  • Experiment: Häufig intern valide = Vorraussetzung
  • Singly-Study-Test: Untersuchung Laborergebnis in neuem Versuch
  • Single-phenomenon: z.B. auch auf Feldstudie übertragbar
  • Single-domain: viele Experimente auf Feldstudien übertragbar?
  • Cross domain: Direkt-Vergleich von Experiment und Feldstudie (Vergleich von Effektgrößen)
  • wenn extern invalid → keine Korrelation feststellbar
  • Korrelation zwischen Experiment und Feldstudie r = .73, entspricht d = 2.14! Also sehr großer Zusammenhang
  • nicht r = 1, da nicht immer interne Validität voll gegeben
  • externe Validität bei Experiment höher als gedacht, interne Validität bei Feldstudien höher als gedacht

07.11.2005: Aggressionstheorien

Gliederung

  • Definition
  • Arten von Aggression
  • Biologische Aspekte
  • Neurobiologische Aspekte
  • Theorien

Vortrag

Definition

  • Definition nicht einfach
  • Aggression = absichtliches Verhalten, körperliche/verbale Verletzung anderer Personen oder Beschädigung/Zerstörung von Sachen
  • Aggression != Aggressivität
  • Aggressivität → individuelle Unterschiede der Aggression unter sonst gleichen Situationsumständen

Arten von Aggression

  • spontane ⇔ reaktiv
  • spontan → unprovoziert, nur um der positiven Gefühle willen, z.B. Jugendliche die einfach irgendwen ausdeuten und anpöbeln
  • reaktiv → immer ein Grund
  • verschiedene Unterarten von reaktiver Aggression:
  • expressiv: ungewollt, unkontrolliert, nicht zielgerichtet, Affekt (z.B. Kleinkinder)
  • instrumentell: Mittel zur Erreichung ubergeordneter, nicht aggressiver Ziele (z.B. Eishockey-Spieler)
  • feindselig: gezielte Verletzung/Schädigung
  • impulsiv, versteckt oder offen
  • Interaktion zwischen Angreifer und Opfer

Biologische Aspekte

  • zwischenartliche Form: Beute/Räuber (Selbstschutz des Opfers vor dem Räuber), Elternaggression (Schutz des Nachwuchses)
  • innerartliche Form: Territorialverhalten (Gruppe um Abgrenzung bemüht), Dominanzaggression (Rangkämpfe), Sexuelle Aggression (Streit um Weibchen)

Neurobiologische Aspekte

  • anatomisch → Teilareale im Hypothalamus und im Mittelhirn, limbisches System
  • biochemisch → Hormone (Testosteron), Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Acethylcholin)
  • Einfluss von Testosteron durch Bluttests nachweisbar
  • Monooxydase → “Aggressionsgen”, fehlt bei gewalttätigen Männern

Theorien

  • Triebtheorien:
    • Freud 1930: “Todestrieb” → Wut, Zerstörung, Katharsis-Hypothese → Aggressionsausübung für zur Befriedigung des Gewalttriebs
    • Lorenz 1963: Psychohydraulisches Instinktmodell (überlaufendes Fass)
  • Frustrations-Aggressions-Theorie:
    • Frustration verursacht Aggression
    • ebenfalls Katharsis-Hypothese
    • Frustration und Aggression proportional
    • aber falsch: Aggression ist nur eine Form der Reaktion auf Frustration
  • Soziale Lerntheorie:
    • Berkowitz 1962: Frustration führt zu Ärger, bei Reiz erst Aggression
    • Bandura 1975: Aversive Erlebnisse → emotionale Erregung, je nach gelerntem Verhalten dann unterschiedliche Reaktion (Abhängigkeit, Rückzug, Aggression, …)
  • Kognitiver Neo-Assoziationismus
    • Berkowitz 2000
    • Emotionale Zustände als assoziatives Netzwerk
    • Kampf- oder Fluchtverhalten
    • Priming, wenn aggressionsbezogene Tendenzen aktiviert werden, wird ein entsprechendes Verhalten ausgelöst
  • General Aggression Model (GAM)
    • Anderson
    • Inputs: Person & Situation
    • beeinflussen inneren Zustand: Cognition (feindselige Gedanken?), Affect (Stimming, Gefühle?), Arousal (Blutdruck, Puls, Erregung?)
    • Bewertung und Entscheidung → Bewusste und undbewusste Reaktion
    • Rückwirkung auf Selbst (bsp of Schlagen als Reaktion → “Oh, gute Lösung!”)

21.11.2005: Beispiele experimenteller Aggressionforschung

Gliederung

  • Stanley, Milgram
  • Widerlegung der Katharsis-Theorie
  • Berkowitz/LePage
  • Anderson et. al.

Vortrag

  • Stanley & Milgram:
    • motiviert durch Verbrechen im Nationalsozialismus: “Warum haben normale Menschen diese Dinge auf Befehl getan?”
    • Versuchspersonen = Nicht-Studenten
    • vorgetäuschte Auslosung, Vpn = Lehrer, Konföderierter = Schüler ⇒ Elektroschocks
    • Falsch gelöst Aufgabe → 15V mehr auf Elektroschock
    • 62.5% gingen bis 450V, Durchschnitt waren 367.5V
    • nicht erwartet, eigentlich erwartet, dass niemand über 135V geht
    • Variation der räumlichen Nähe in vier Stufen: anderer Raum (visuell und akustisch getrennt), anderer Raum (visuell getrennt), gleicher Raum, Berührung (“Lehrer” muss Hand des “Schülers” auf eine Metallplatte pressen, um Schock zu applizieren)
    • Hauptbedingung Gehorsam: Autoritätsfigur mit Macht und körperlicher Anwesenheit
    • teilweise Schummeln wenn VL nicht da u.ä.
    • Kritik:
      • Validität: “Vpn glaubten nicht wirklich an Echtheit der Elektroschocks” → Widerlegung durch Befragung
      • ethische Bedenken (psychologische Schäden, …)
  • Widerlegung der Katharsis-Theorie:
    • 90 männliche Vpn
    • Paare (Lehrer & Schüler (Konföd.))
    • Vpn wurden nicht verärgert → 2 milde E-Schocks, verärgert → 8 starke und 2 milde E-Schocks
    • 2/3 ⇒ Schüler bei Rot Schocks geben, davon Hälfte selber, Hälfte durch VL, 1/3 ⇒ keine Schocks (Kontrollgruppe)
    • danach alle Vpn kontrollieren und geben Schocks + Intensität (zwischen 1 und 10)
    • Ergebnis:
Gruppe verärgert nicht verärgert
Vpn-Schock 6.65 3.92
VL-Schock 4.13 3.62
k. Schocks 5.20 3.20
  • ⇒ keine Katharsis, da VPN-Schock sonst niedrigeren Level hätte austeilen müssen
  • Waffenexperiment Berkowitz/LePage
  • Leistungsbewertung: 1 Schock (gut) ↔ 10 Schocks (schlecht)
  • im Vorfeld: 50% Vpn verärgert ⇒ 7 Schocks, 50% nicht verärgert ⇒ 1 Schock
  • Schocks unabhängig von Leistung
  • 7 Gruppen:
    1. verärgert, keine Objekte
    2. verärgert, Waffe + Assoziation (Waffe gehört dem Versuchspartner)
    3. verärgert, Waffe - Assoziation (Waffe gehört niemandem)
    4. verärgert, Badmintonschläger (Kontrollgruppe)
    5. nicht verärgert, keine Objekte
    6. nicht verärgert, Waffe +
    7. nicht verärgert, Waffe -
  • Am meisten E-Schocks gegeben von verärgert, Waffe +/- ⇒ größere Gewaltbereitschaft
  • Waffenexperiment Anderson et al
  • Assoziationskette
  • Primingeffekt Waffenname

Discussion

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