Differentielle Psychologie

Allgemeines

Klausurrelevantes

  • Big Five
  • Persönlichkeitsdefinitionen

1.11.2005

  • Kaiserpinguine finden eigenes Weibchen und Kinder wieder, sind nicht nur altruistisch sondern auch egoistisch, wollen das eigene Genom weitergeben
  • Lemuren ⇒ Infantizid (Kindestötung) → Alphatiere haben Vorrang → neues Alphatier tötet Nachkommen des Vorgängers

Experiment:

  • unabhängige Variable ↔ abhängige Variable
  • Stimulus ↔ Response

Diese Beziehung ist Thema der allgemeinen Psychologie.

Vpn A B C
1 20 15 10
2 30 15 5
3 10 30 3
Xquer 20 20 6

diffquer = 0

  • schauen, wie sich abhängige Variable ändert
  • f = (x_1quer - x_2quer) / 6diff
  • f = (x_1quer - x_3quer) / 6diff
  • Unterschied zwischen den Gruppen (A, B, C) muss größer sein als zwischen den Personen (1, 2, 3), sonst ist kein Effekt erkennbar
  • s^2 = (Summe(x - xquer)^2) / (N - 1)
  • s_1^2 = ( (20 - 20)^2 + (30 - 20)^2 + (10 - 20)^2 ) / 2
  • S → R; S → O → R : O = Organismus (Variablen) = Gegenstand der Differentiellen Psychologie bzw. Verhaltensforschung (mehr hypothetisch, nicht “anfassbar”)
  • Analyse von Verhalten eines Individuums unter bestimmten Bedingungen und Vorhersage des Verhaltens unter neuen Bedingungen
  • Genom unterscheiden sich bei unterschiedlichen Individuuen
  • Ist Unterschied in der Intelligenz in den Genen veranlagt? → Dann wäre Intelligenz Schicksal
  • H.-J. Eysenck → Unterschiede der Intelligenz liegt in den Genen
  • Pisa Studie → Kinder reicher Eltern erfolgreicher in der Schule und Uni
  • Wechselwirkungen → Wer mehr Erfolg hat durch Intelligenz o.ä. verdient mehr Geld
  • Mehr Bücher in reichen Familien
  • Wohl eher keine genetischen Einflüsse, Variablen verschleiern mehr als dass sie aufklären, man wird “blind” für näherliegende Einflusse
  • Umwelteinflüsse, raucht Mutter in der Schwangerschaft?
  • Anlagen sind nur genetische Anlagen, Einflüsse der Umwelt getrennt
  • Wie wirken diese beiden Sachen zusammen?

  • weibliches Geschlecht weniger anfällig für störende Einflüsse?
    • XX → wenn hier ein krankes Gen auftritt kann es vom gesunden überspielt werden
    • XY → Y ist verkümmertes X (Mikroskop), kein “Backup”
    • oder doch Sozialisation?
  • Unterschiede nicht nur zwischen Individuen interessant, sondern auch zwischen Gruppen oder gar Kulturen
  • sozio-ökologische Schichten (Klassen (zu global, z.B. zu fest an Einkommensklasse) )
  • Klassenunterschiede nicht mehr so stark, Handwerker verdienen teilweise mehr als Akademiker (in USA noch ausgeprägtere Unterschiede)
  • interindividuelle ↔ intraindividuelle Unterschiede
  • letzteres z.B. Morgenmuffel, die Abends aufgedreht sind (häufig bei Depressionen, morgens schwer, im Laufe des Tages Anpassung ans Leben) → ungleich Trauer nach z.B. Tod eines Haustiers
  • Es gibt interindividuelle Unterschiede in intraindividuellen Unterschieden
  • z.B. Schüler verbessert sich von 4 oder 5 auf 3.0 im Vergleich zu Schüler der 3.5 → 3.0
  • Äpfel und Birnen Paradigma: Alle Menschen sind verschieden/einzigartig. Darum kann ich eigentlich keine Vergleiche machen
  • z.B. auch schwierig ist zwei Kulturen
  • Wir unterscheiden weniger Einzigartigkeit, sondern auf einem allgemeineren Niveau, z.B. alle haben Angst
  • Wilhelm Windelband1) ca 1885: Unterscheidung zwischen
    • nomothetische Gesetzgebung (allgemeine Gesetzgebung)
    • idiographisch (das besondere)
  • Die Praxis verlangt häufig entweder-oder Entscheidungen
  • z.B. Ist das Kind vor Gericht glaubwürdig? (idiographisch, aus Biographie z.B. analysiert)
  • Mit Verallgemeinerung verliert man die Präzision im Einzelfall
  • Weniger deterministische Kausalaussagen (z.B. Prügel in der Kindheit → Vandalismus in der Jugend), eher probabilistische Kausalaussagen (Wahrscheinlichkeit, wenn brutale Kindheit ist eine Aggressivität später wahrscheinlich)
  • z.B. in der forensischen Psychologie wird gefordert Aussage mit hoher Wahrscheinlichkeit: “Das Kind ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit glaubwürdig”
  • Unterschied muss objektiv messbar sein

08.11.2005

  • “Verhalten” sehr passiv, man benutzt eher “Handlungen”
  • Eine strenge Idiographik gibt es nicht, kann nur als Ziel genonnen werden
  • A. Wellek “Begreifen, Verstehen, Kapieren”, Verstehen ist höherwertig als alles, was man über ein Experiment erreichen kann
  • quasi-exakte Methoden wie Experiment sind leicht zu benutzen aber sehr oberflächlich
  • Aufgaben der differentiellen Psychologie:
    • Beobachtung: Jede empirische Wissenschaft macht zumindest Beobachtungen der Welt, oder der Phänomene, die ihr Gegenstand sind.
    • Beschreibung: Manche Wissenschaften beschränken sich im Wesentlichen auf die Beschreibung, Beispiel: Anatomie, Botanik
    • Erklärung: Zur Beschreibung kommt die wissenschaftliche Verallgemeinerung. Gesetzmässigkeiten und Prinzipien werden erkannt.. Theorien können entstehen.
    • Vorhersage: Hier hat die Psychologie maximal probabilistische Aussagen zur Verfügung, aber: Auch probabilistische Aussagen können Kausalaussagen sein.
    • Veränderung: Beispiel: Die Anlage/Umwelt Debatte kann zur Abschätzung des Veränderungspotenzials und der Veränderungsmöglichkeiten von Unterschieden führen.
  • In den 30ern in den USA gab es die Headstartbewegung (Frühstart): Schon im Kindergarten Training (mehr Nobelpreisträger “produzieren”) → Sesamstrasse
  • Millionenausgaben
  • Gegenbewegung: Intelligenz ist zu zwei dritteln durch Erbanlagen bedingt
  • ⇒ Stop der Mittel
  • idR nur Relativaussagen möglich: “Jemand ist ängstlich” → heisst nur ängstlich relativ zu anderen
  • Intervallskala → Unterschied ist wichtig
  • Typologien → Nominalskala (z.B. Ja ↔ Nein)
  • Ränge/Originalskala: Daraus lässt sich dann die Nominalskala ableiten.
  • Generell: Gefahr der Ettiketierung, Schubladendenken
  • lat. personare: hindurchtönen (durch eine Maske?) → personality → Personalität
  • Echtheit vs. Maske
  • Cicero: Was ist Persönlichkeit?
    1. wie man erscheint aber nicht ist
    2. eine Rolle, die man im Leben spielt
    3. eine Vielzahl von Eigenschaften
    4. das Besondere, der Stil, die Würde eines Menschen
  • Zu 2:
    • Rollentheorie: Erwartung an einen Lehrer (Schüler, Kollegen, Eltern - Konflikte z.B. zwischen Schüler und Elternerwartung ⇒ psychische Probleme bei ständiger Hin-Und-Hergerissenheit zwischen verschiedenen Rollen)
  • Zu 3:
    • FPI-Test
    • Big Five der Psychologie (Extroversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Neurotizismus (emotionale Stabilität), Offenheit)
  • Persönlichkeitsdefinitionen:
    • Guilford: Die Persönlichkeit eines Individuums ist seine einzigartige Struktur von Wesenszügen.
    • Vernu/Varna/Verna?: Persönlichkeit ist die relativ stabile Organisation motivationaler Dispositionen einer Person, die durch die Interaktion zwischen biologischen Trieben und der sozialen und physischen Umwelt entstehen.
    • Allport (nicht Verwechseln mit dem Bruder): Persönlichkeit ist die dynamische Ordnung derjenigen psychophysischen Systeme im Individuum, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umwelt bestimmen.
    • Pawlik: Persönlichkeit ist die Gesamtheit reliabler inter- und intraindividueller Unterschiede in Verhalten sowie deren Ursachen und Wirkungen.
    • Ferguson: Persönlichkeit ist die Summe der Verhaltensweisen mit denen ein Individuum charakteristischerweise reagiert und mit anderen Personen und Objekten in Beziehung steht.
    • McClelland: Personality is the most adequate conceptualization of a persons behaviour and all its detail.
  • H. Helson
  • William Stern 1911: “Die differentielle Psychologie in ihren methodischen Grundlagen”, Erfinder des IQ
  • IQ = (Intelligenzalter / Lebensalter) * 100, Intelligenzalter wird gemessen, Lebensalter in Monaten
  • z.B. 3-Jähriger (genau an dem Tag Geburtstag) → Lebensalter von 36, muss Intelligenzalter von 36 erreichen, um IQ 100 zu haben
  • Intelligenz ist nicht linear, ab 18 relativ konstant
Disziplin Objekt der Forschung
Variationsforschung ein Merkmal an vielen Individuen (s hoch 2)
Korrelationsforschung zwei oder mehrere Merkmale an vielen Individuen ( r )
Psychographie eine Individualität in Bezug auf viele Merkmale
Komperationsforschung Vergleich mehrerer Psychographien
  • erste zwei merkmallastiger, andere eher innerindividuell
  • Response abhängig von Personen, Tests/Merkmale und Situationen/Zeiten (letztes relativ neu in der Psychologie)

15.11.2005

Vorlesung entfällt.

22.11.2005

  • Kluckhohn & Murray (1953): Every man is certain respect
    1. Like all other men (allg. Psychologie)
    2. Like some other men (Persönlichkeitspsychologie)
    3. Like no other men (Idiographik)
  • Ziel der empirischen Persönlichkeitsforschung
    1. Beschreibung von Unterschieden zwischen Individuen und Gruppen von Individuen
    2. Erklärung der Unterschiede (Aufklärung der Varianz)
    3. Vorhersage des Handelns einer Person in einer bestimmten Situation
  • Beschreibung:
  • Ermittlung/Konstruktion von Dimensionen der Persönlichkeit
  • Problem: Anzahl, Breite, Universalität
    • Anzahl: Wieviele Dimensionen? ⇒ Ängstlichkeit, Introvertiertheit, etc.
    • Breite: Wieviele Aspekte werden in einer Dimension zusammengefasst?
    • Universalität: Gilt die Dimension in jeder Kultur? ⇒ unterschiedliche Bewertung gleicher Verhaltensweisen in verschiedenen Kulturen
  • traditioneller Lösungsansatz: Eigenschaften (können sich auch ändern), Dispositionen (Fähigkeit, sich einer bestimmten Situation bestimmt zu verhalten, z.B. Disposition Ängstlichkeit ⇒ Flucht)
  • Prädikate: Beobachtungs-Prädikate (“Das Glas zerbricht”), Dispositions-Prädikate (“Die Glasscheibe ist zerbrechlich”)
  • Missverständlich: “Hans trinkt” → gerade eben oder Alkoholiker?
  • Generell: “Konstrukte”, deren empirische Sachverhalte zugeordnet werden
  • Die Beobachtsungsebene/Beschreibungsebene mit empirische Sachverhalte ⇒ Konstrukt
    • z.B. x = zittern, y = zittern, z = schwitzen ⇒ Konstrukt: Ängstlichkeit

  • einzelne Sachverhalte oft unspezifisch, erst gesamtes Ensemble der Indikatoren ist spezifisch für Konstrukt
  • Es gibt immer neue Indikatoren zu finden um das Konstrukt “klarer” zu umschreiben
  • Überschussbedeutung: Die bisherigen Indikatoren reichen aus, ist aber noch offen für neue Indikatoren
  • Konstrukt kann durch neue Indikatoren in Untergruppen aufgeteilt werden
    • z.B. Intelligenz ⇒ verbale ↔ anschauliche/praktische
  • Selten: nur 1-2 Indikatoren ⇒ Augenscheinvalidität (face validity) ⇒ einfache Konstrukte
  • Operationalisierung (operationism, Bridgeman 1925)
  • “Wie messe ich etwas, das nicht sichtbar ist?”, z.B. Emotionen
  • Operationalisierungsproblem: Zuordnung von Indikatoren zu Konstrukten
  • Klausurfrage: Was ist die Konstruktvalidierung? ⇒ NICHT Operationalisierungsproblem! sondern “Ist es sinnvoll, das Konstrukt zu behalten oder zu verwerfen”, Ziel: Vorhersage durch das Konstrukt (z.B. Ängstlichkeit ⇒ schlechte Klausuren)
  • zwei Arten von Konstrukten:
    • deskritive: z.B. “Das Kind gehört dem Vandalismus an”
    • explikative: z.B. “Erziehungsstil der Eltern ist autoriär, und darum ist das Kind aggressiv” → Beziehung explikativ
  • Verhalten ist ein Netzwerk von Konstrukten, “Gott der Persönlichkeitsforschung ist das Konstrukt der Persönlichkeit” O_o
  • Erklärung:
    • Kausalität und Korrelation: T1 ⇒ T2, T1 ⇔ T2
    • Antezedenz ↔ Konsequenz ↔ Beziehungen
    • Vererbung ↔ Umwelt
  • Vorhersage: Kritik am Eigenschaftsansatz (siehe Konstruktvalidierung: “Kann man wirklich sagen, weil ängstlich ⇒ schlechte Prüfungsleistung?”) → reicht meist für Vorhersagen nicht aus, auch mit Situationskenntnis nicht
  • 0.50 ⇒ Varianz .25: Nur 25% vom Verhalten sind beeinflusst von den Eigenschaften des Menschen
  • Interaktion zwischen Eigenschaften und Situationen: R=Reaktion/Verhalten, S=Situation, E=Eigenschaft, P=Persönlichkeit, U=Umwelt
    1. R=f(S) : Behaviorismus, Situationismus
    2. R=f(E) : Eigenschaftsansatz
    3. P=f(U) : soziale Lerntheorie
    4. U=f(P) : Kognitivismus
  • 1+2 mechanistisches Modell, 3+4 organismisches Modell
1) “Windelband bemühte sich vor allem um die Abgrenzung von Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften (Geisteswissenschaften). Die Naturwissenschaften verfahren 'nomothetisch', d. h. sie beschreiben ihren Gegenstand durch allgemeine Gesetze. Die Kulturwissenschaften haben es dagegen mit dem Einmaligen, Individuellen und Besonderen zu tun, sie verfahren 'idiographisch'.” – Wikipedia.de

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